Wenn man nicht den passenden Ratschlag findet

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Wer ein Problem hat, sucht oft Rat. Davon gibt es „glücklicherweise“ sehr viel, wie ein Besuch in einer Buchhandlung oder bei Google oder ein Gespräch mit Freunden leicht zeigt. Würde man sich die Mühe machen, alle Ratschläge zu sammeln, etwa zum Thema Stressvermeidung, Konfliktlösung oder bessere Teamführung, könnte man tausende (vielleicht sogar unendlich viele) zusammentragen. Alle angebotenen Ratschläge dürften mehr oder weniger sinnvoll sein. Schließlich hätte sich kaum jemand die Mühe gemacht, sie sich zu merken oder aufzuschreiben, wenn sie nicht irgendwann schon einmal geholfen hätten.

Das Problem ist nicht, einen Rat zu bekommen, sondern den für sich passenden auszuwählen. Als Lösungssuchender hat man die Qual der Wahl und wenn die Zeit drängt, oft nicht die Nerven dazu. Aber es ist noch schlimmer: Selbst, wenn man einen guten Rat gefunden hat, ob er tatsächlich funktioniert, weiß man erst, wenn man ihn ausprobiert hat.

Wer also ein Problem hat, befindet sich in unserer Zeit, der massenhaft zur Verfügung stehenden Ratschläge, in einem verwirrenden Irrgarten wieder. Man kann suchen und ausprobieren, und falls man in eine Sackgasse geraten ist, wieder zurück zur letzten „Abzweigung“ gehen, beziehungsweise einen anderen Ratschlag ausprobieren. Das erscheint mir manchmal als sehr mühsam. Was für Alternativen gibt es? Hier sind drei „Vor“-schläge:

Such Dir einen Coach

„Klar,“ werden Sie denken, „dass er das sagt, er ist ja selbst einer.“ Und es stimmt, ich bin von Coaching überzeugt, nicht nur, weil ich selbst davon profitiert habe, sondern weil ich immer wieder mit ansehen darf, wie auch andere Menschen und Teams davon profitieren. Aber eines macht ein Coach anders, als die diversen Ratgeber und darauf kommt es an.

Als Coach gibt man weniger Ratschläge, sondern stellt Fragen, echte Fragen, die anregen sich selbst und die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Damit können Sie sich selbst einen Ratschlag geben, der viel besser passt, als das Außenstehende oder Bücher jemals tun könnten. Natürlich hört ein Coach auch sehr genau zu und gibt hin und wieder Rückmeldungen, wie er sein Gegenüber wahrnimmt. Der Kern des Coachings ist aber die Frage, die den Menschen zu Aha-Erkenntnissen führt. Nichts, wirklich nichts, führt Veränderungen und Problemlösungen so elegant herbei, die das Aha-Erlebnis. Deshalb wäre mein erster Vorschlag, suchen Sie sich einen Coach, der Sie zu neuen Erkenntnissen geleitet.

Was ist die Frage, auf die Sie eine Antwort suchen?

Wenn ich das meine Klienten frage, bin ich immer wieder überrascht, wie viele Fragen den Menschen durch den Kopf schwirren. Und wie schwer es ist, auf die entscheidende Frage zu kommen. Natürlich haben die Menschen auf die meisten schon nach kurzem Nachdenken die Antwort. Klären Sie also mit Ihrem Coach, auf welche Frage Sie eine Antwort suchen. Allein schon die Suche nach der eigentlichen Frage, löst bei vielen Menschen die ersten Aha-Erlebnisse aus, wenn sie beispielsweise erkennen, wie viele Antworten sie schon haben und welche entscheidende Frage am Ende übrigbleibt. Entscheidende Fragen können beispielsweise sein, nicht, wie der Konflikt gelöst werden kann, sondern warum man immer wieder in ähnliche gerät, nicht, wie man einen schwierigen Kunden zufriedenstellt, sondern was den Kunden für einen schwierig macht, oder nicht, wie und wo man mit seiner Aufgabe beziehungsweise Projekt starten soll, sondern warum man überhaupt zögert, anzufangen.

Welche neuen Chancen ergeben sich aus der Frage?

Die zentrale Frage ist dann, welche Chancen sich nun aus der Frage ergeben. Was konkret möchten Sie nun tun? Der Coach kann Ihnen wiederum solange Fragen stellen und Rückmeldungen geben, die Blickwinkel immer wieder verändern und anreichern, bis Sie die konkreten Chancen erarbeitet haben. In der Folge entstehen dabei immer wieder weitere Aha-Erkenntnisse. Die zündende Idee kann etwa darin bestehen, wie ein seit langer Zeit andauernder nervenaufreibender Konflikt durch einen Kompromiss ganz schnörkellos gelöst werden kann oder ein besonders „schwieriger“ Mitarbeiter sich durch mehr Verantwortung plötzlich und scheinbar ganz einfach besser einbringen kann oder wie sie den Stress, den scheinbar andere Ihnen aufbürden, in Wirklichkeit sich selbst bereiten.

Wahre Veränderung ist ohne Aha-Erlebnisse kaum vorstellbar. Das Schöne an einem Aha-Erlebnis ist nicht nur, dass es per se ein Erfolgserlebnis ist, sondern sich danach ein ganz neuer Blickwinkel ergibt. Es wird etwas sichtbar, was zuvor verborgen erschien. Aus einem Aha-Erlebnis ergibt sich immer eine geänderte Sichtweise auf die Realität, vielleicht sogar eine neue Realität

Aha-Erlebnisse lassen sich nicht vorhersehen oder planen. Wenn sie das wären, hätte man sie ja schon jetzt und es wären keine Aha-Erlebnisse mehr. Man kann sie folglich auch nicht erzwingen, vielmehr sind sie das Ergebnis von zwischenmenschlicher Kommunikation. Das Aha-Erlebnis ist ein bemerkenswertes Ereignis, das man normalerweise so schnell nicht vergisst. Es bleibt im Gedächtnis haften, weil es einen Wendepunkt darstellt.